Einträge tagged ‘Wahrheit

28
Okt
09

Noch müde blinzelst du aus dem Fenster. Es ist dunkel. Leicht ruckelnd fährt die U-Bahn ihren Weg. Monoton wie eh und je dringt das Geräusch der Räder kaum noch in deine Ohren. Dein Blick ist leer. Doch hinter deiner Stirn toben die Gedanken und jagen sich in einem wahnsinnigen Teufelskreis selbst. Doch man erkennt es nicht. Wie jeden Morgen sitzt du nur dort, den Blick starr aus dem Fenster gerichtet. Noch im Halbschlaf. Und doch nicht zu müde, um nicht zu denken. Und es ist wie jedes Mal weder angenehm, noch irgendwie besonders. Genau genommen sind auch die Gedanken nur leere Hüllen. Und dann schaust du auf. Und du siehst auch nichts anderes. Nur leere Hüllen. Alle müde, so wie du. Alle sonst wo mit ihren Gedanken, so wie du. Und alles kaputte Gestalten. Oder die meisten.

Die Bahn wird langsamer und hält. Ein alter Mann steigt ein. Er setzt sich zu dir. Und schaut dich an. Sein Blick durchdringt dich und blickt dir bis auf den Boden der Seele. Er sieht alles, und du merkst das. Dann lächelt er. “Steh auf!” Sagt er. Und dann geht er wieder.

23
Okt
09

Was die Wiener so treiben…

Jaja, irgendwie belächelt man als Deutscher ja immer mal wieder gerne die Österreicher. Egal, ob man es nach außen hin zu gibt, oder nicht, eine leichte Überheblichkeit ist mindestens da. Genauso wie übrigens umgekehrt. Nun ja, vielleicht haben die Österreicher auch mehr Recht auf uns herab zu blicken, immerhin liegt ihr Land ja höher – aber mal Scherz beiseite und ganz ernsthaft: manchmal sollte man sich wirklich überlegen, ob das was der jeweils andere veranstaltet eventuell doch hin und wieder sinnvoll ist. In diesem speziellen Fall meine ich die Studentendemonstration in Wien, die zur Zeit (beziehungsweise seit gestern) statt findet. Ich meine nicht, dass ich diese Aktion unbedingt gut heiße (ehrlich gesagt bin ich mir da noch nicht so sicher), aber dazu später.

Hier erstmal die Fakten: am Vormittag des gestrigen Tages begann eine Demonstration von Wiener Studenten und vereinzelten Professoren gegen die bestehenden Studienbedingungen (laut eigenen Angaben ginge es vor allem um Studiengebühren, sowie die Abschaffung von Konkurrenz und Leistungsdruck sowie Aufnahmeprüfungen u.v.m.). Gestartet war die Aktion vor der Votivkirche, wurde dort aber gegen 12.30 Uhr von der Polizei aufgelöst. Daraufhin zog die Gruppe zum Audimax welchen sie dann um ca. 13 Uhr besetzten – für über 24 Stunden. Zu Beginn waren es ungefähr 1000 Demonstranten. (Quelle: OÖNachrichten)

So viel zu den Fakten. Und was sollen wir jetzt davon halten? Ich meine, in Deutschland gab es ja auch schon diverse Demonstrationen gegen Studiengebühren, für bessere Bildung etc., aber was hat es gebracht? Richtig, nichts. Ich will nicht sagen, dass eine Demonstration sinnlos wäre, nur weil sie nichts erreicht – und immerhin hat die in Wien Aufmerksamkeit erregt. Aber es geht mir auch gar nicht um Demonstrationen als solche, sondern vielmehr um den Inhalt. Abschaffung der Aufnahmeprüfung? Freie Masterzugänge? Tut mir Leid, aber einen wirklich großen Sinn kann ich im Moment nicht dahinter entdecken. Natürlich sollte jeder Mensch ein Recht darauf haben, seine Fähigkeiten zu entfalten, da habe ich auch nichts dagegen, das spreche ich auch niemandem ab. Aber hat sich einer der lieben studentischen Demonstranten mal Gedanken gemacht wie ihr Audimax ohne Aufnahmeprüfungen aussähe? Richtig, etwas überfüllt. Würde man versuchen dieses Problem zu verhindern bliebe noch die Möglichkeit “Wer zuerst kommt…”, was wiederum eine gewisse Ungerechtigkeit bürge, nicht?

Da finde ich andere angesprochene Punkte schon wesentlich sinnvoller, beispielsweise die Forderung nach genug Studienplätzen für alle – dann können wir auch nochmal über die Aufnahmeprüfungen reden. Auch unabhängige Lehre und Forschung sind nicht zu vernachlässigende Punkte.

Insgesamt jedoch bin ich mir bei dieser Demonstration noch unschlüssig. Ich denke, die Österreicher sollten sich einfach an ihr Bakkalaureats-System gewöhnen. Internationaler Standard und so. Hat man doch in Deutschland auch und alle sind zufrieden. Zumindest die, die was zu sagen haben. Einfach nicht aufregen, lautet die Devise.

Augen zu und durch. Es wird schon werden.

18
Okt
09

Das ist der Wahrheit!

Man lernt ja schon immer, von Anfang an, dass die Wahrheit etwas ganz Wichtiges ist. Sie ist wichtig um Vertrauen aufbauen zu können, welches dann wiederum zu Freundschaften führt. Daraus folgt für den Gelehrten ganz schnell: ohne Wahrheit keine Freunde. Aber auch aus ethischer Sicht gibt es einige Argumente und Gründe, die für Ehrlichkeit und Wahrheit sprechen. Da wäre zum beispiel mal ganz banal: Lügen ist nicht angesehen. Gut, es ist natürlich so, aber so ein wahnsinnig plausibles Argument ist das jetzt irgendwie nicht, wie ich finde. Aber das ist ja nicht so wichtig, ihr wisst, worauf ich hinaus will und das ist, was gerade zählt. Was ich denke ist ohnehin nicht von Belang. Na gut, manchmal vielleicht. Aber darum geht es jetzt nicht. Ich will hier auch nicht darum betteln, dass ihr mir alle eine (oder auch zwei) Mails schickt, in denen ihr mir euer Mitleid aussprecht. Es geht ganz einfach darum, dass die Wahrheit beziehungsweise das Aussprechen der Wahrheit, also in etwa die Ehrlichkeit in unserer Gesellschaft großen Wert hat. Und das ist ja auch erstmal gut so.

Aber natürlich gibt es auch Momente, in denen man die Wahrheit vielleicht lieber verschweigen sollte. Ich meine, sowas wie die “Notlüge” sagt ja jedem etwas. Und natürlich gibt es genug Situationen, in denen die Wahrheit vielleicht mehr Schaden anrichtet, als sie nützt. Ich meine, oft genug führt doch die Wahrheit zu richtigen Krisen, beispielsweise in Beziehungen. Nicht dass ich ein absoluter Verfechter des Betrügens wäre, darum geht es mir hier gar nicht. Aber selbst der ehrlichste Mensch hat doch schon mal darüber nachgedacht, zu lügen, vielleicht um einen guten Freund zu schützen oder ähnliches. Ein bisschen Unwahrheit? So eine kleine Prise Lüge? Das ist manchmal schon sehr verlockend, oder nicht?

Doch wer entscheidet, wann eine kleine Lüge von Nutzen ist? Ich meine, es ist doch immer eine recht subjektive Einschätzung, wenn man über Nutzen und Schaden einer Lüge entscheidet. Im Prinzip kann man selber doch gar nicht wirklich abschätzen, was für die Umwelt, die anderen Betroffenen, nützlich ist. Ist es da nicht besser, auf Nummer sicher zu gehen und lieber gar nicht zu lügen? Vielleicht besser, wenn auch ungleich schwerer.

Aber ich finde, dass ein bisschen Lügen hin und wieder nicht schaden kann, solange man es mit Bedacht einsetzt. Achtet einfach darauf, dass niemand dahinter kommt. Dann hasst euch niemand, das Vertrauen bleibt bestehen und es stört auch keinen…




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