Einträge tagged ‘traurig

28
Okt
09

Noch müde blinzelst du aus dem Fenster. Es ist dunkel. Leicht ruckelnd fährt die U-Bahn ihren Weg. Monoton wie eh und je dringt das Geräusch der Räder kaum noch in deine Ohren. Dein Blick ist leer. Doch hinter deiner Stirn toben die Gedanken und jagen sich in einem wahnsinnigen Teufelskreis selbst. Doch man erkennt es nicht. Wie jeden Morgen sitzt du nur dort, den Blick starr aus dem Fenster gerichtet. Noch im Halbschlaf. Und doch nicht zu müde, um nicht zu denken. Und es ist wie jedes Mal weder angenehm, noch irgendwie besonders. Genau genommen sind auch die Gedanken nur leere Hüllen. Und dann schaust du auf. Und du siehst auch nichts anderes. Nur leere Hüllen. Alle müde, so wie du. Alle sonst wo mit ihren Gedanken, so wie du. Und alles kaputte Gestalten. Oder die meisten.

Die Bahn wird langsamer und hält. Ein alter Mann steigt ein. Er setzt sich zu dir. Und schaut dich an. Sein Blick durchdringt dich und blickt dir bis auf den Boden der Seele. Er sieht alles, und du merkst das. Dann lächelt er. “Steh auf!” Sagt er. Und dann geht er wieder.

27
Okt
09

Nun ist er doch noch gekommen…

An manchen Abenden, ganz bestimmten von der Art her, also ich meine die Stimmung, unter anderem, da fühlt man sich irgendwie ganz komisch. Also nicht körperlich, also dass man krank wäre oder so, das meine ich gar nicht, nein, es ist mehr so was sentimentales (ja, ich weiß, das klingt jetzt irgendwie fürchterlich – naja, lassen wir das), man fühlt sich einsam, ganz speziell, auf eine Art und Weise. Liegt es am Wetter? An der Jahreszeit? Denn nachdem sich der Herbst nun doch entschieden hat, auch in München nochmal kurz vorbei zu schauen, sind einige Leute schon irgendwie – anders – als sonst. Andauernd bläst irgendjemand Trübsal, es ist schon fast anstrengend. Dabei, habe ich mir gerade sagen lassen, ist Herbst eine sehr schöne Jahreszeit. Ich weiß auch nicht so genau, warum, ich finds eher ein bisschen grau und trist, aber das ist schließlich eine sehr subjektive Einschätzung… trotzdem hat natürlich der Herbst auch gute Seiten und ich wäre sehr inkonsequent, wenn ich ihn jetzt nicht ein bisschen in gutes Licht rücken würde. Also, der Herbst ist schon mal sehr bunt – sagt man zumindest. UND er läutet den Winter ein und der ist ja bekanntlich sehr toll. So, das reicht jetzt aber auch wieder, man soll ja nicht übertreiben.

Also immer schön dran denken, kein Trübsal im Herbst, das ist eine sehr schöne Jahreszeit. Und Trübsal ist eh total unnötig. Womit wir wieder bei sinnvoll und sinnlos wären. Aber das würde jetzt zu weit führen.

14
Okt
09

Der Clown

Wenn man ihn so sieht, dann muss man unbewusst schmunzeln. Mit seinem drolligen Gang, den riesigen Schuhen und dem geschminkten, immer fröhlichen Gesicht. Der Clown. Er ist da, um uns Freuden zu bereiten, uns zum Lachen zu bringen und uns die Freizeit möglichst kurzweilig zu gestalten. Es gab ihn schon früher, den sogenannten Hofnarren. Auch er war zur Belustigung der Hofleute da. Brauchte man ihn nicht mehr wurde er hingerichtet. Machte er seine Witze nicht mehr nach dem Geschmack des Königs, wurde er entfernt. So leicht geht das mit dem heutigen Clown natürlich nicht, dennoch ist seine Person meist eher tragisch als komisch. Macht sich jemals irgendjemand die Mühe, hinter seine Maske zu sehen? Interessiert es irgendjemanden, ob der Clown hinter seiner Maske auch lächelt? Schminke und Kostüm gehören unzertrennlich zu der Grenze, die er um sich zieht mit seinen Auftritten, die immerzu fröhlich und heiter sind. Wie es im Inneren dieser Grenze aussieht, das will doch niemand wissen.

Die Maske dient ihm zum Schutze, vor seiner Umwelt. Weil eben niemand wissen möchte, ob es ihm sonst schlecht geht, wenn er mal nicht in einer Show auftritt. Sein unbehelligtes Auftreten, seine aufgeschminkte gute Laune – alles nur Fassade vor einem tief sitzenden Schmerz. Doch dieser Schmerz wird bleiben, solange niemand versucht, hinter die Maske zu sehen.

Wage einen Blick und du wirst überrascht sein.




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.