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23
Okt
09

Was die Wiener so treiben…

Jaja, irgendwie belächelt man als Deutscher ja immer mal wieder gerne die Österreicher. Egal, ob man es nach außen hin zu gibt, oder nicht, eine leichte Überheblichkeit ist mindestens da. Genauso wie übrigens umgekehrt. Nun ja, vielleicht haben die Österreicher auch mehr Recht auf uns herab zu blicken, immerhin liegt ihr Land ja höher – aber mal Scherz beiseite und ganz ernsthaft: manchmal sollte man sich wirklich überlegen, ob das was der jeweils andere veranstaltet eventuell doch hin und wieder sinnvoll ist. In diesem speziellen Fall meine ich die Studentendemonstration in Wien, die zur Zeit (beziehungsweise seit gestern) statt findet. Ich meine nicht, dass ich diese Aktion unbedingt gut heiße (ehrlich gesagt bin ich mir da noch nicht so sicher), aber dazu später.

Hier erstmal die Fakten: am Vormittag des gestrigen Tages begann eine Demonstration von Wiener Studenten und vereinzelten Professoren gegen die bestehenden Studienbedingungen (laut eigenen Angaben ginge es vor allem um Studiengebühren, sowie die Abschaffung von Konkurrenz und Leistungsdruck sowie Aufnahmeprüfungen u.v.m.). Gestartet war die Aktion vor der Votivkirche, wurde dort aber gegen 12.30 Uhr von der Polizei aufgelöst. Daraufhin zog die Gruppe zum Audimax welchen sie dann um ca. 13 Uhr besetzten – für über 24 Stunden. Zu Beginn waren es ungefähr 1000 Demonstranten. (Quelle: OÖNachrichten)

So viel zu den Fakten. Und was sollen wir jetzt davon halten? Ich meine, in Deutschland gab es ja auch schon diverse Demonstrationen gegen Studiengebühren, für bessere Bildung etc., aber was hat es gebracht? Richtig, nichts. Ich will nicht sagen, dass eine Demonstration sinnlos wäre, nur weil sie nichts erreicht – und immerhin hat die in Wien Aufmerksamkeit erregt. Aber es geht mir auch gar nicht um Demonstrationen als solche, sondern vielmehr um den Inhalt. Abschaffung der Aufnahmeprüfung? Freie Masterzugänge? Tut mir Leid, aber einen wirklich großen Sinn kann ich im Moment nicht dahinter entdecken. Natürlich sollte jeder Mensch ein Recht darauf haben, seine Fähigkeiten zu entfalten, da habe ich auch nichts dagegen, das spreche ich auch niemandem ab. Aber hat sich einer der lieben studentischen Demonstranten mal Gedanken gemacht wie ihr Audimax ohne Aufnahmeprüfungen aussähe? Richtig, etwas überfüllt. Würde man versuchen dieses Problem zu verhindern bliebe noch die Möglichkeit “Wer zuerst kommt…”, was wiederum eine gewisse Ungerechtigkeit bürge, nicht?

Da finde ich andere angesprochene Punkte schon wesentlich sinnvoller, beispielsweise die Forderung nach genug Studienplätzen für alle – dann können wir auch nochmal über die Aufnahmeprüfungen reden. Auch unabhängige Lehre und Forschung sind nicht zu vernachlässigende Punkte.

Insgesamt jedoch bin ich mir bei dieser Demonstration noch unschlüssig. Ich denke, die Österreicher sollten sich einfach an ihr Bakkalaureats-System gewöhnen. Internationaler Standard und so. Hat man doch in Deutschland auch und alle sind zufrieden. Zumindest die, die was zu sagen haben. Einfach nicht aufregen, lautet die Devise.

Augen zu und durch. Es wird schon werden.

21
Okt
09

Murphy is your friend!

Ihr kennt sicher alle Murphy. Er ist ein ganz netter Kerl, man kann sich auch echt gut mit ihm unterhalten, aber er hat natürlich auch eine Kehrseite. Und die kennt ja auch jeder. Murphy ist dafür verantwortlich, dass die andere Spur schneller ist, er ist dafür verantwortlich, dass es genau dann anfängt zu regnen, wenn man den Fuß vor die Tür setzt, all das. Und jeder hat ihn schon mal deswegen verflucht. Ich meine, das ist ja schließlich nicht sein Bier, warum mischt er sich denn bitte ein? Aber so ist er nun einmal und man wird sich wohl daran gewöhnen müssen. Man fährt auf jeden Fall besser, wenn man ihn sich zum Freund macht und über seine kleinen Witzeleien nur lacht, statt sich mal wieder aufs Neue aufzuregen.

Allerdings ist das manchmal leichter gesagt, als getan. Erst heute musste ich wieder feststellen, dass Murphy allgegenwärtig ist. Und egal, wie gut es dir gerade geht – Murphy wird schon dafür sorgen, dass dir das wieder vergeht. Ich bin diese Woche schon 6 mal S-Bahn gefahren. Die ersten fünf mal hatte meine S-Bahn, wie man es inzwischen auch gewohnt ist, Verspätung. Und zwar zwischen 5 und 15 Minuten. Währenddessen waren die anderen S-Bahnen, soweit ich das beurteilen kann, pünktlich. Naja, da spürt man schon Murphys Atem. Aber es geht sogar noch weiter. Als ich heute den Heimweg antrat erwischte ich die U-Bahn genau so, dass ich, sollte beides pünktlich sein, meine S-Bahn um eine Minute verpassen würde. Da kann ja dann ein bisschen Verspätung nicht schaden, dann erwischt man die Bahn sogar noch, so dachte ich. Und unwahrscheinlich war es ja auch nicht, nachdem sie bis dato 5 von 5 Malen Verspätung hatte. Aber – und ihr werdet es sicher schon erraten – kam die S-Bahn natürlich genau pünktlich und so verpasste ich sie. Die nächste hatte wieder Verspätung…

Man spürt hier nun ganz deutlich den Einfluss, den Murphy inzwischen sogar schon auf die MVV ausübt, es ist fast unfassbar. Doch man kann es nicht ändern. Murphy ist unser Freund. Und sollte doch mal etwas schief gehen? “Don’t cry, say fuck you and smile!”…

19
Okt
09

Auf der Suche nach neuer Unterkunft.

So ein Aufwand, das hätte ich ja nie gedacht. Obwohl es jeder schon vorher prophezeit hatte. Aber da muss man ja nicht wirklich drauf hören, ich meine, die wollen einen doch bloß einschüchtern. Tja, inzwischen denke ich da anders… denn es hat sich bewahrheitet. Es ist ziemlich ernüchternd, eine neue Wohnung zu suchen. Nicht nur verdammt teuer ist diese Stadt, sodass man Probleme hat, eine Wohnung für unter 300 € pro Person (und sie sollte natürlich nicht zu verschimmelt sein…) zu finden. Nein, dann heißt es auch noch regelmäßig, dass WGs unerwünscht sind. Hallo? Das hat schon etwas von Diskriminierung, findet ihr nicht? Die armen kleinen Studenten werden immer schlechter behandelt. Sie haben weniger Rechte als ganz normale Normalverdiener. Sie haben zwar auch mehr Rechte als zum Beispiel Schüler, bekommen dafür aber meistens weniger Rabatt (etwa im Kino, Theater etc.). Aber es geht jetzt und hier gar nicht mal darum, dass Studenten benachteiligt werden. Sondern darum, dass München in Bezug auf Wohnungen sehr Studentenunfreundlich ist. Denn selbst wenn mal eine Wohnung “WG-geeignet” ist, muss nur ein halbwegs seriöser Verdienender oder noch besser Arbeitsloser daher kommen, und schon wird man als Student wieder abgeschrieben. Ist doch albern, sowas…

Gut, eventuell ist es auch einfach nicht so intelligent, zu Semesterbeginn eine Wohnung zu suchen, aber das tut ja jetzt mal überhaupt nichts zur Sache. Denn Fakt ist, dass München viel zu wenig freie Wohnungen für die immer weiter wachsende Zahl an Studenten hat. Und es kann sich halt nicht jeder leisten, im Monat 500 € für eine Wohnung auszugeben…

So sitzt man also mehr oder weniger täglich am PC, durchforstet das Internet und macht ab und zu sogar einen Besichtigungstermin aus. Und da geht man dann natürlich auch hin, ist ja für einen guten Zweck, da kann man seine Zeit ruhig auch mal für opfern. Und dann melden sich die Makler/Vermieter nicht mehr. Gut, das war ja fast zu erwarten, trotzdem ist sowas tierisch nervig. Und so sind wir jetzt schon seit einigen Wochen auf Wohnungssuche, ohne wirklich Fortschritte zu machen.

Aber mal sehen, was kommt…

16
Okt
09

Vorweihnachtszeit

Passend zum Schnee, der dieser Tage schon etwas verfrüht im Jahr auf die Köpfe und Dächer Münchens rieselt und inzwischen sogar schon ein wenig liegen bleibt – zumindest auf der Kastanie, die ich sehe, wenn ich aus meinem Fenster blicke – läuten in manchen Geschäften jetzt die Glocken der Vorweihnachtszeit, wie der Schnee – wie ich finde – eindeutig zu früh. Dabei war der erste Christbaumschmuck bei Tschibo (der Prospekt wird regelmäßig geschickt…) schon vor zwei Wochen im Angebot. Vor zwei Wochen. Das war Anfang Oktober, oder etwa nicht? Ich meine, nur für den Fall, dass ich da was falsch verstehe. Anfang Oktober?! Christbaumschmuck?! Also Leute, Konkurrenzkampf in allen Ehren, aber DAS ist ja nun wirklich ein bisschen zu viel des Guten. Und außerdem geht es auf Kosten des normalsterblichen Durchschnittsbürgers, der sich dagegen nicht wehren kann – zum Beispiel mich. Das ist doch geschmacklos. Weihnachten… Anfang Oktober. Also bitte Leute, wer kauft denn schon 2,5 Monate im vorraus Christbaumschmuck und Co.? Mal im Ernst Leute, ich bin ja nicht überempfindlich oder so. Wir werden inzwischen immer früher daran erinnert, dass das Ende des Jahres immer näher kommt und somit denken wir, dass die Zeit immer schneller vergeht – obwohl dem natürlich überhaupt nicht so ist. Ist das irgend ein neuer Marketing-trick einer Bestattungsfirma? Es reicht doch eindeutig, das ganze einen Monat vor Weihnachten ins Angebot zu stellen, dann hat der Name “Vorweihnachtszeit” auch eine Berechtigung. Ein Monat, rechnet das mal, ist nicht so schwer, das macht den 24.11. und nicht Anfang Oktober! Und trotzdem sollte selbst der langsame, voraussehende Planer genug Zeit haben, alles Nötige zu besorgen. Ein Monat würde doch völlig reichen. Aber stattdessen nähern wir uns immer mehr dem Zustand, wo es sich nicht mehr lohnen wird, den Christbaum wieder abzubauen, weil Anfang März sowieso schon wieder die Vorweihnachtszeit beginnt. Abartig. Wirklich abartig. Nicht, dass ich etwas gegen Weihnachten hätte, aber doch nicht das ganze Jahr! Und der Schnee könnt sich auch noch mal für einen Monat verziehen!

Ach sagt mal, wo wir gerade darüber reden, gibt es schon Schoko-Osterhasen? Ich brauch da immer ein bisschen Zeit der Planung…

12
Okt
09

Face to face marketing

Der Beruf des Hausmeisters wurde abgeschafft. Es gibt ihn nicht mehr. Nein, abgeschafft stimmt jetzt so natürlich wieder nicht ganz, man muss da schon ein wenig differenzieren. Er wurde umbenannt. Das heißt, an sich hat sich nichts geändert. Nur halt der Name. Aber das ist auch genug, wenn man sich den neuen Namen dieses Berufs anschaut: man ist jetzt nicht mehr Hausmeister, man ist Facility Manager. Bitte was?! Facility Manager? Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich das Schild mit dieser Aufschrift an der Tür eines Mannes, der in einer öffentlichen Einrichtung eben jenes Amt bekleidete, sah. Aber es kommt noch besser. Da denkt man sich, schlimmer kann es mit der deutschen Sprache nicht mehr werden, aber schlimmer geht ja bekanntlich immer. Ich also neulich in einer Unterhaltung, wie denn die Ausbildung heißt, die mein Gegenüber gerade macht. Als er mir mit “Frontmanager im Face to Face Marketing” antwortete, war ich natürlich sehr interessiert. Das klingt ja schon mal nicht schlecht. Seine Antwort also auf die nächste Frage diesbezüglich: “Naja, man steht dann zum Beispiel bei McD an der Kasse.”       O.o

Das ist eindeutig zu viel des Guten. Warum bitteschön, muss man jetzt alles immer mit englischen Begriffen bezeichnen? Ich meine, fühlt sich der Hausmeister besser, wenn er weiß, dass er ab jetzt ein Manager – wenn auch nur von einer Facility – ist? Ist der arme Kerl, der in einem Fastfoodrestaurant an der Kasse steht , jetzt besser, nur weil er im Marketingbereich tätig ist? Bekommt er mehr Geld? Ich glaube kaum. Warum also das alles? Warum Bachelor, klingt Bakkalaureus nicht bescheuert genug?

Und ich dachte, dieses korrekte “Coolendeutsch”, was die ganzen Ghettogangstaz von sich geben, wäre schlimm. Wenigstens halten es die nicht für nötig, in einen deutschen Satz mindestens 50% englische Begriffe einzubauen. Vielleicht sind sie auch einfach nicht in der Lage dazu, aber das wäre jetzt eine böse Unterstellung…

Ich appelliere deshalb an euch alle da draußen, die ihr genauso denkt, wie ich, die ihr auch findet, dass pharmazeutische Wissenschaften ein Recht auf ein anerkanntes Studium haben:

Für mehr deutsch in der deutschen Sprache!

08
Okt
09

Ist sie jetzt etwa berühmt?!

Ich habe ein Problem. Meine Schwester. Also nein, nicht direkt sie als Person. Das wäre ja gemein. Nein, mein Problem hat vielmehr nur mit ihr zu tun. Oder dem was sie tut. Ich meine, ich mag sie ja wirklich gern. Aber hey, man kann es auch übertreiben. Mal ganz ehrlich. Es geht um ihr Studium. Das sie vollendet hat. Und zwar grandios. Und das, obwohl sie davor nicht unbedingt damit gerechnet hatte. Aber das ist auch nicht das Problem. Nein. Sie hielt es für äußerst schlau, und sah sich darin noch von ihrer Professorin bestätigt, ihre Magisterarbeit nach dem Verfassen auch noch zu Veröffentlichen. Es ging um pädagogische Fachkräfte. Das ist trotzdem nicht das Problem, das meine ich gar nicht. Es geht vielmehr um die Veröffentlichung an sich. Denkt mal einen Moment darüber nach. Was bedeutet das denn jetzt bitte für mich? Ist sie jetzt berühmt oder gar reich? Sie ist ja jetzt immerhin irgendwie ein Autor. Zwar nicht hauptberuflich, aber hey, darum geht’s ja hier nicht. Ich meine, Autor sein, das heißt berühmt sein. Wenigstens so ein wenig. Ein gewisser Bekanntheitsgrad, oder? Autor sein heißt Geld haben. Wenigstens ein paar Zehntausend oder so. Naja, vielleicht ist das jetzt auch ein wenig übertrieben. Aber darum geht es ja schließlich auch nicht. Es geht hier um die  Möglichkeit. Sie könnte berühmt werden. Oder reich. Und das hätte Folgen. Für mich. Vielleicht sogar ganz fatale, wer weiß?

Gut, dass sie nicht reich wurde dadurch, das ist inzwischen auch bei mir angekommen. Das ist nämlich der Punkt, der mich vielleicht noch gefreut hätte an der Sache. Es geht doch eh immer nur ums Geld. Aber hier in diesem speziellen Fall eben nicht. Denn was ist denn nun, überlegt doch mal, denkt euch dass doch bitte eben mal kurz aus, was wird denn, wenn sie tatsächlich berühmt wird. Versteht ihr, berühmt! Nicht nur bekannt! Ich meine, muss ich damit rechnen, dass mich irgendein wildfremder, womöglich noch stinkender und alkoholisierter Rüpel auf der Strasse anspricht und fragt: „Sind sie nicht der Bruder von dieser *zensiert*? Ey voll krass Alter!“ Muss ich erwarten, dass jemand völlig anders in ein Gespräch mit mir geht, wenn er meinen Namen kennt? Solche Dinge sind wichtig. Man sollte auf so etwas vorbereitet sein. Versteht ihr? Ich meine, es geht hier nicht um die Veröffentlichung. Es geht hier auch nicht um meine Schwester. Es geht hier um die Ungewissheit.

Und darum, dass sie in einem völlig egoistischen Akt eine Tat begangen hat, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was diese vielleicht Folgen hätte – und zwar für mich!




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