Einträge tagged ‘durchschnittlich

17
Okt
09

Perfektion

Es gibt diese ganz speziellen Leute. Bei ihnen muss alles perfekt sein, um überhaupt gut genug zu sein. Und dabei sind nicht Dinge gemeint, die sie kaufen oder geschenkt bekommen oder sonst wie erwerben. Es geht eher um das was sie selber tun, um ihr eigenes Handeln. Und ich muss sagen, Perfektion hat durchaus ihren Reiz. Sie ist oft edel, geschmack- und stilvoll, ansprechend, aber vor allem eben ohne den noch so geringsten Makel. Sie passt genau auf Leute, die ihr Leben auf einen gewissen Standard setzen, von vornherein – und zwar über den Durchschnitt. Sie passt perfekt zu den Leuten, die immer alles im Leben planen. Jede noch so kleine Sache verläuft nach Plan. Dafür sind ihre Träume und Ziele meist auch etwas realer, sie stehen meist mit Beiden Beinen auf dem Boden, sind realitätsnah. Man mag es auch durchaus als vorteilhaft sehen, da man so seine Ziele auch erreichen kann.

Doch, frage ich euch, was ist, wenn man sein Ziel erreicht hat? Ist danach das Leben nicht etwas leerer als zuvor? Denn die Anstrengungen, das eigene Ziel zu erreichen machen doch einen Teil des Lebens aus. Es ist doch besser, sein ganzes Leben auf ein Ziel hinzuarbeiten, auch wenn man es nicht erreicht und vielleicht sogar enttäuscht stirbt, als nach der Hälfte seines Lebens plötzlich ziellos zu sein, weil das Ziel, was man sich gesteckt hat zu gering war. Und genau dort findet man das, was diese Menschen ausmacht: es geht in ihrem Leben nicht um das Leben sondern nur um Ergebnisse. Es geht um Erfolg, Ansehen, nicht darum, dass man Spaß am Leben hat, sondern dass man etwas erreicht in seinem Leben. Und es geht um Perfektion. Was man schafft hat nur Wert, wenn es zumindest einen Hauch von Perfektion ausstrahlt.

Dabei ist Perfektion so steril. So statisch. So charakterlos. Ein kleiner Makel macht einen Gegenstand häufig zu etwas besonderem, zu einem Unikat. Perfektion dagegen macht einen Gegenstand durchschnittlich, er hebt sich nicht mehr von den anderen ab. Perfektion ist Masse. Perfektion ist Dekadenz. Perfektion ist normal. Genau wie die Pläne dieser Perfektionisten. Sie nehmen dem Leben das letzte bisschen Zufall. Sie machen das Leben statisch. Aber wie schön ist denn der Zufall? Immer wieder für eine Überraschung gut! Streut ein bisschen Chaos, ihr werdet es nicht bereuen. Seht mich an. Wie beschreibt es der Joker? “I’m a dog chasing cars – I wouldn’t even know what to do if I caught one!”

08
Okt
09

Was ist denn schon normal?

Normal ist eine Stadt mit rund 50000 Einwohnern in Illinois, USA. Vielleicht ein bisschen klein, aber normal. Oder nicht? Aber abgesehen von irgendwelchen geographischen oder mathematischen Begriffen, deren Definitionen in solchen Mengen durch das Internet geistern, dass einem ganz dödelig wird, im Kopf, wenn man die Menge der Treffer in der Google-Suche sieht, bezeichnet das Wort eine Art Zustand, der beschreibt, dass das Bezugsobjekt nicht weit von der Norm abweicht. Und zwar ganz normal. Normale Buchstaben. Normales Deutsch. Oder eben durchschnittlich. Gleiche Bedeutung. Nur irgendwie noch negativer. „Durchschnittlich“. Und was ist das jetzt? Was heißt normal, wie weit ist „nicht weit“?

Ich meine, für einen ganz normalen 12-jährigen Jungen, ist es ganz normal, sich mit seinen Freunden zu treffen und im Park zu spielen. Für ein ganz normales Mädchen gleichen Alters mag es ganz normal sein, mit Puppen zu spielen. Ist spielen normal? Für einen durchschnittlichen Erwachsenen (der nebenbei bemerkt auch für Staat und Gesellschaft der angenehmste weil unauffälligste ist), ist es vielleicht sogar peinlich, zu spielen. Normal ist es aber normalerweise bestimmt nicht.

Eine ganz normale Frau findet es ganz normal, mehr als (nach Definition des ganz normalen Mannes) normal viele Schuhe zu besitzen. Der ganz  normale Mann findet es hingegen ganz normal, öfter als (diesmal nach Definition der – richtig – ganz normalen Frau) normal einen Trinken zu gehen. Aber wer ist diese ganz normale Frau, dieser ganz normale Mann, Junge, Mädchen?

Ich selbst bin für ganz normale Menschen alles andere als durchschnittlich oder ganz normal. Für nicht ganz so normale Menschen hingegen bin ich wahrscheinlich das Normalste, was es gibt. Ganz schön durchschnittlich.

Normal ist der, der vom Durchschnitt der Gruppe der er angehört (welche sowohl durch Alter und Geschlecht, als auch durch andere Faktoren bestimmt wird) nicht abweicht. Normal ist unauffällig. Normal ist gewöhnlich. Normal ist langweilig. Normal ist durchschnittlich. Aber ganz besonders ist normal selten. Ein ganz gewöhnlicher Mensch ist keinesfalls mehr normal…




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