Archiv der Kategorie 'unsere Gesellschaft'

23
Mar
10

Und da beschwert ihr euch noch?

Also mal ehrlich. Da hört man tag täglich Beschwerden über unzureichende und mangelhafte Emanzipation und macht sich als moderner (und natürlich auch total einfühlsamer) Mann irgendwann auch seine Gedanken dazu, ich meine, wenn das so viele Leute sagen, dann könnte ja auch tatsächlich etwas wahres dran sein, oder? Und man kommt zu keinem wirklichen Ergebnis, denn eigentlich denkt man sich: “irgendwie seh ich euer Problem nicht, ist doch alles top wie es ist”, aber aussprechen will man es nicht, denn sonst steht man wieder gleich als völliger Macho da und das will man ja nicht. Also lieber lächeln und nicken.

Aber als ich neulich im Schuhgeschäft meines Vertrauens war (ja, auch ich brauche hin und wieder neue Schuhe, vor allem, wenn die alten nach dem letzten Konzert einfach nur noch untragbar aussehen), habe ich mich dann doch ein bisschen gewundert. Denn es gab zwei Etagen für die Frauen und nur eine für die Männer. Und jetzt versteht mich bitte nicht falsch, nicht, dass ich es nötig hätte, mich durch zwei Etagen voll Schuhen zu kämpfen, ich bin ja auch froh, dass ich mit relativ wenigen Schuhen auskomme, aber darum geht es ja auch gar nicht. Das ist einfach schon überemanzipiert, ja, fast schon sexistisch! Wir armen Männer! Gut, das stört mich noch nicht groß, aber denkt doch mal weiter! Ich meine, wenn eine rau in Hosen rumläuft, dann ist das völlig normal, aber wenn ein Mann mal einen Rock anzieht, dann wird er gleich komisch angeschaut – und zwar von Männern und Frauen gleichermaßen. Ist das fair? Kann man sich denn da als Frau noch beschweren?  Also, als Mann schon. Und das mache ich hiermit. Nicht, weil ich mich nicht emanzipiert fühle, das meine ich gar nicht. Und darum geht es mir auch gar nicht, ich fühle mich ja auch ganz wohl und will ja auch nicht meckern. Überhaupt will ich nie meckern, aber das wisst ihr ja. Ich finde nur, dass Frauen sich auch einfach mal denken können: Emanzipation? Brauch ich nicht, ich habe meine zwei Etagen im Schuhgeschäft.

Und jetzt steh ich wahrscheinlich als voll der A**** da. Und dabei bin ich doch eigentlich ganz lieb. Ich finde, die Emanzipation braucht eine Zurachtweisung. So, jetzt gehts mir besser. Und das alles nur wegen Stiefeln, die ich dann eh nicht bekommen habe… meine armen geschundenen Nerven. Aber eigentlich ist mir das ja alles völlig egal und tangiert mich überhaupt nicht. Geht ihr doch Sjoppen. Ich geh jetzt schmollen. Euer Puppenspieler.

28
Okt
09

Noch müde blinzelst du aus dem Fenster. Es ist dunkel. Leicht ruckelnd fährt die U-Bahn ihren Weg. Monoton wie eh und je dringt das Geräusch der Räder kaum noch in deine Ohren. Dein Blick ist leer. Doch hinter deiner Stirn toben die Gedanken und jagen sich in einem wahnsinnigen Teufelskreis selbst. Doch man erkennt es nicht. Wie jeden Morgen sitzt du nur dort, den Blick starr aus dem Fenster gerichtet. Noch im Halbschlaf. Und doch nicht zu müde, um nicht zu denken. Und es ist wie jedes Mal weder angenehm, noch irgendwie besonders. Genau genommen sind auch die Gedanken nur leere Hüllen. Und dann schaust du auf. Und du siehst auch nichts anderes. Nur leere Hüllen. Alle müde, so wie du. Alle sonst wo mit ihren Gedanken, so wie du. Und alles kaputte Gestalten. Oder die meisten.

Die Bahn wird langsamer und hält. Ein alter Mann steigt ein. Er setzt sich zu dir. Und schaut dich an. Sein Blick durchdringt dich und blickt dir bis auf den Boden der Seele. Er sieht alles, und du merkst das. Dann lächelt er. “Steh auf!” Sagt er. Und dann geht er wieder.

23
Okt
09

Was die Wiener so treiben…

Jaja, irgendwie belächelt man als Deutscher ja immer mal wieder gerne die Österreicher. Egal, ob man es nach außen hin zu gibt, oder nicht, eine leichte Überheblichkeit ist mindestens da. Genauso wie übrigens umgekehrt. Nun ja, vielleicht haben die Österreicher auch mehr Recht auf uns herab zu blicken, immerhin liegt ihr Land ja höher – aber mal Scherz beiseite und ganz ernsthaft: manchmal sollte man sich wirklich überlegen, ob das was der jeweils andere veranstaltet eventuell doch hin und wieder sinnvoll ist. In diesem speziellen Fall meine ich die Studentendemonstration in Wien, die zur Zeit (beziehungsweise seit gestern) statt findet. Ich meine nicht, dass ich diese Aktion unbedingt gut heiße (ehrlich gesagt bin ich mir da noch nicht so sicher), aber dazu später.

Hier erstmal die Fakten: am Vormittag des gestrigen Tages begann eine Demonstration von Wiener Studenten und vereinzelten Professoren gegen die bestehenden Studienbedingungen (laut eigenen Angaben ginge es vor allem um Studiengebühren, sowie die Abschaffung von Konkurrenz und Leistungsdruck sowie Aufnahmeprüfungen u.v.m.). Gestartet war die Aktion vor der Votivkirche, wurde dort aber gegen 12.30 Uhr von der Polizei aufgelöst. Daraufhin zog die Gruppe zum Audimax welchen sie dann um ca. 13 Uhr besetzten – für über 24 Stunden. Zu Beginn waren es ungefähr 1000 Demonstranten. (Quelle: OÖNachrichten)

So viel zu den Fakten. Und was sollen wir jetzt davon halten? Ich meine, in Deutschland gab es ja auch schon diverse Demonstrationen gegen Studiengebühren, für bessere Bildung etc., aber was hat es gebracht? Richtig, nichts. Ich will nicht sagen, dass eine Demonstration sinnlos wäre, nur weil sie nichts erreicht – und immerhin hat die in Wien Aufmerksamkeit erregt. Aber es geht mir auch gar nicht um Demonstrationen als solche, sondern vielmehr um den Inhalt. Abschaffung der Aufnahmeprüfung? Freie Masterzugänge? Tut mir Leid, aber einen wirklich großen Sinn kann ich im Moment nicht dahinter entdecken. Natürlich sollte jeder Mensch ein Recht darauf haben, seine Fähigkeiten zu entfalten, da habe ich auch nichts dagegen, das spreche ich auch niemandem ab. Aber hat sich einer der lieben studentischen Demonstranten mal Gedanken gemacht wie ihr Audimax ohne Aufnahmeprüfungen aussähe? Richtig, etwas überfüllt. Würde man versuchen dieses Problem zu verhindern bliebe noch die Möglichkeit “Wer zuerst kommt…”, was wiederum eine gewisse Ungerechtigkeit bürge, nicht?

Da finde ich andere angesprochene Punkte schon wesentlich sinnvoller, beispielsweise die Forderung nach genug Studienplätzen für alle – dann können wir auch nochmal über die Aufnahmeprüfungen reden. Auch unabhängige Lehre und Forschung sind nicht zu vernachlässigende Punkte.

Insgesamt jedoch bin ich mir bei dieser Demonstration noch unschlüssig. Ich denke, die Österreicher sollten sich einfach an ihr Bakkalaureats-System gewöhnen. Internationaler Standard und so. Hat man doch in Deutschland auch und alle sind zufrieden. Zumindest die, die was zu sagen haben. Einfach nicht aufregen, lautet die Devise.

Augen zu und durch. Es wird schon werden.

20
Okt
09

Bürokratie…

Ja, da setzt man sich als angehender Student in die Uni und was ist? Erstmal ungefähr 50 (in Worten fünfzig) Blätter, Kopien von irgendwas, was man dem armen Studenten halt so zumutet (dass der Student im allgemeinen und die Pharmazeuten im speziellen benachteiligt werden, habe ich ja schon festgestellt, aber , und ihr werdet es schon ahnen, es geht hier gar nicht darum!). Das heißt, man geht in die Uni, bewaffnet mit Block und Stift und kommt wieder raus – mit einer Wagenladung an Papier. Gut, das war jetzt ein wenig übertrieben, aber man muss das ja auch deutlich genug darstellen. Na, und dann muss man natürlich auch noch diverse Anträge stellen. Nämlich allein von der Uni her muss man sich schon mal um die Anmeldung (und ich rede hier nicht von der Immatrikulation) und den Bibliotheksausweis respektive andere Ausweise, Genehmigungen etc. kümmern. Das ist zum Glück auch relativ schnell geschehen, wir sind ja auf einem High-Tech-Campus, muss ja auch für irgendwas gut sein (neben den drei Beamern im Liebig-HS natürlich). Aber da fängt es ja auch erst an. Soll heißen, dass man sich jetzt auch mal um die neue Kundenkarte kümmern sollte, denn man muss ja auch irgendwie in die Uni fahren – und Stempeln ist in München nun wirklich ein bisschen zu teuer. Da heißt es dann natürlich auch erstmal ordentlich anstehen und schon wieder einen Antrag ausfüllen… na danke. Den Antrag auf Befreiung von Studiengebühren muss man natürlich auch stellen, nochmal einige Seiten Papier, zu denen man zusätzlich natürlich auch eine Kindergeldbescheinigung braucht. Und da sagt mir noch mal jemand, Deutschland wäre ja gar nicht so wahnsinnig bürokratisch – das IST es!

Ach ja, den BAföG-Antrag hatte ich ja ganz vergessen. Der schlimmste von allen. Na dann, Prost Mahlzeit, ich werde mich dann mal durch diverse Papierstapel kämpfen. Ich hoffe, ich komme da Lebend wieder raus!

18
Okt
09

Das ist der Wahrheit!

Man lernt ja schon immer, von Anfang an, dass die Wahrheit etwas ganz Wichtiges ist. Sie ist wichtig um Vertrauen aufbauen zu können, welches dann wiederum zu Freundschaften führt. Daraus folgt für den Gelehrten ganz schnell: ohne Wahrheit keine Freunde. Aber auch aus ethischer Sicht gibt es einige Argumente und Gründe, die für Ehrlichkeit und Wahrheit sprechen. Da wäre zum beispiel mal ganz banal: Lügen ist nicht angesehen. Gut, es ist natürlich so, aber so ein wahnsinnig plausibles Argument ist das jetzt irgendwie nicht, wie ich finde. Aber das ist ja nicht so wichtig, ihr wisst, worauf ich hinaus will und das ist, was gerade zählt. Was ich denke ist ohnehin nicht von Belang. Na gut, manchmal vielleicht. Aber darum geht es jetzt nicht. Ich will hier auch nicht darum betteln, dass ihr mir alle eine (oder auch zwei) Mails schickt, in denen ihr mir euer Mitleid aussprecht. Es geht ganz einfach darum, dass die Wahrheit beziehungsweise das Aussprechen der Wahrheit, also in etwa die Ehrlichkeit in unserer Gesellschaft großen Wert hat. Und das ist ja auch erstmal gut so.

Aber natürlich gibt es auch Momente, in denen man die Wahrheit vielleicht lieber verschweigen sollte. Ich meine, sowas wie die “Notlüge” sagt ja jedem etwas. Und natürlich gibt es genug Situationen, in denen die Wahrheit vielleicht mehr Schaden anrichtet, als sie nützt. Ich meine, oft genug führt doch die Wahrheit zu richtigen Krisen, beispielsweise in Beziehungen. Nicht dass ich ein absoluter Verfechter des Betrügens wäre, darum geht es mir hier gar nicht. Aber selbst der ehrlichste Mensch hat doch schon mal darüber nachgedacht, zu lügen, vielleicht um einen guten Freund zu schützen oder ähnliches. Ein bisschen Unwahrheit? So eine kleine Prise Lüge? Das ist manchmal schon sehr verlockend, oder nicht?

Doch wer entscheidet, wann eine kleine Lüge von Nutzen ist? Ich meine, es ist doch immer eine recht subjektive Einschätzung, wenn man über Nutzen und Schaden einer Lüge entscheidet. Im Prinzip kann man selber doch gar nicht wirklich abschätzen, was für die Umwelt, die anderen Betroffenen, nützlich ist. Ist es da nicht besser, auf Nummer sicher zu gehen und lieber gar nicht zu lügen? Vielleicht besser, wenn auch ungleich schwerer.

Aber ich finde, dass ein bisschen Lügen hin und wieder nicht schaden kann, solange man es mit Bedacht einsetzt. Achtet einfach darauf, dass niemand dahinter kommt. Dann hasst euch niemand, das Vertrauen bleibt bestehen und es stört auch keinen…

17
Okt
09

Perfektion

Es gibt diese ganz speziellen Leute. Bei ihnen muss alles perfekt sein, um überhaupt gut genug zu sein. Und dabei sind nicht Dinge gemeint, die sie kaufen oder geschenkt bekommen oder sonst wie erwerben. Es geht eher um das was sie selber tun, um ihr eigenes Handeln. Und ich muss sagen, Perfektion hat durchaus ihren Reiz. Sie ist oft edel, geschmack- und stilvoll, ansprechend, aber vor allem eben ohne den noch so geringsten Makel. Sie passt genau auf Leute, die ihr Leben auf einen gewissen Standard setzen, von vornherein – und zwar über den Durchschnitt. Sie passt perfekt zu den Leuten, die immer alles im Leben planen. Jede noch so kleine Sache verläuft nach Plan. Dafür sind ihre Träume und Ziele meist auch etwas realer, sie stehen meist mit Beiden Beinen auf dem Boden, sind realitätsnah. Man mag es auch durchaus als vorteilhaft sehen, da man so seine Ziele auch erreichen kann.

Doch, frage ich euch, was ist, wenn man sein Ziel erreicht hat? Ist danach das Leben nicht etwas leerer als zuvor? Denn die Anstrengungen, das eigene Ziel zu erreichen machen doch einen Teil des Lebens aus. Es ist doch besser, sein ganzes Leben auf ein Ziel hinzuarbeiten, auch wenn man es nicht erreicht und vielleicht sogar enttäuscht stirbt, als nach der Hälfte seines Lebens plötzlich ziellos zu sein, weil das Ziel, was man sich gesteckt hat zu gering war. Und genau dort findet man das, was diese Menschen ausmacht: es geht in ihrem Leben nicht um das Leben sondern nur um Ergebnisse. Es geht um Erfolg, Ansehen, nicht darum, dass man Spaß am Leben hat, sondern dass man etwas erreicht in seinem Leben. Und es geht um Perfektion. Was man schafft hat nur Wert, wenn es zumindest einen Hauch von Perfektion ausstrahlt.

Dabei ist Perfektion so steril. So statisch. So charakterlos. Ein kleiner Makel macht einen Gegenstand häufig zu etwas besonderem, zu einem Unikat. Perfektion dagegen macht einen Gegenstand durchschnittlich, er hebt sich nicht mehr von den anderen ab. Perfektion ist Masse. Perfektion ist Dekadenz. Perfektion ist normal. Genau wie die Pläne dieser Perfektionisten. Sie nehmen dem Leben das letzte bisschen Zufall. Sie machen das Leben statisch. Aber wie schön ist denn der Zufall? Immer wieder für eine Überraschung gut! Streut ein bisschen Chaos, ihr werdet es nicht bereuen. Seht mich an. Wie beschreibt es der Joker? “I’m a dog chasing cars – I wouldn’t even know what to do if I caught one!”

16
Okt
09

Vorweihnachtszeit

Passend zum Schnee, der dieser Tage schon etwas verfrüht im Jahr auf die Köpfe und Dächer Münchens rieselt und inzwischen sogar schon ein wenig liegen bleibt – zumindest auf der Kastanie, die ich sehe, wenn ich aus meinem Fenster blicke – läuten in manchen Geschäften jetzt die Glocken der Vorweihnachtszeit, wie der Schnee – wie ich finde – eindeutig zu früh. Dabei war der erste Christbaumschmuck bei Tschibo (der Prospekt wird regelmäßig geschickt…) schon vor zwei Wochen im Angebot. Vor zwei Wochen. Das war Anfang Oktober, oder etwa nicht? Ich meine, nur für den Fall, dass ich da was falsch verstehe. Anfang Oktober?! Christbaumschmuck?! Also Leute, Konkurrenzkampf in allen Ehren, aber DAS ist ja nun wirklich ein bisschen zu viel des Guten. Und außerdem geht es auf Kosten des normalsterblichen Durchschnittsbürgers, der sich dagegen nicht wehren kann – zum Beispiel mich. Das ist doch geschmacklos. Weihnachten… Anfang Oktober. Also bitte Leute, wer kauft denn schon 2,5 Monate im vorraus Christbaumschmuck und Co.? Mal im Ernst Leute, ich bin ja nicht überempfindlich oder so. Wir werden inzwischen immer früher daran erinnert, dass das Ende des Jahres immer näher kommt und somit denken wir, dass die Zeit immer schneller vergeht – obwohl dem natürlich überhaupt nicht so ist. Ist das irgend ein neuer Marketing-trick einer Bestattungsfirma? Es reicht doch eindeutig, das ganze einen Monat vor Weihnachten ins Angebot zu stellen, dann hat der Name “Vorweihnachtszeit” auch eine Berechtigung. Ein Monat, rechnet das mal, ist nicht so schwer, das macht den 24.11. und nicht Anfang Oktober! Und trotzdem sollte selbst der langsame, voraussehende Planer genug Zeit haben, alles Nötige zu besorgen. Ein Monat würde doch völlig reichen. Aber stattdessen nähern wir uns immer mehr dem Zustand, wo es sich nicht mehr lohnen wird, den Christbaum wieder abzubauen, weil Anfang März sowieso schon wieder die Vorweihnachtszeit beginnt. Abartig. Wirklich abartig. Nicht, dass ich etwas gegen Weihnachten hätte, aber doch nicht das ganze Jahr! Und der Schnee könnt sich auch noch mal für einen Monat verziehen!

Ach sagt mal, wo wir gerade darüber reden, gibt es schon Schoko-Osterhasen? Ich brauch da immer ein bisschen Zeit der Planung…

14
Okt
09

Der Clown

Wenn man ihn so sieht, dann muss man unbewusst schmunzeln. Mit seinem drolligen Gang, den riesigen Schuhen und dem geschminkten, immer fröhlichen Gesicht. Der Clown. Er ist da, um uns Freuden zu bereiten, uns zum Lachen zu bringen und uns die Freizeit möglichst kurzweilig zu gestalten. Es gab ihn schon früher, den sogenannten Hofnarren. Auch er war zur Belustigung der Hofleute da. Brauchte man ihn nicht mehr wurde er hingerichtet. Machte er seine Witze nicht mehr nach dem Geschmack des Königs, wurde er entfernt. So leicht geht das mit dem heutigen Clown natürlich nicht, dennoch ist seine Person meist eher tragisch als komisch. Macht sich jemals irgendjemand die Mühe, hinter seine Maske zu sehen? Interessiert es irgendjemanden, ob der Clown hinter seiner Maske auch lächelt? Schminke und Kostüm gehören unzertrennlich zu der Grenze, die er um sich zieht mit seinen Auftritten, die immerzu fröhlich und heiter sind. Wie es im Inneren dieser Grenze aussieht, das will doch niemand wissen.

Die Maske dient ihm zum Schutze, vor seiner Umwelt. Weil eben niemand wissen möchte, ob es ihm sonst schlecht geht, wenn er mal nicht in einer Show auftritt. Sein unbehelligtes Auftreten, seine aufgeschminkte gute Laune – alles nur Fassade vor einem tief sitzenden Schmerz. Doch dieser Schmerz wird bleiben, solange niemand versucht, hinter die Maske zu sehen.

Wage einen Blick und du wirst überrascht sein.

12
Okt
09

Face to face marketing

Der Beruf des Hausmeisters wurde abgeschafft. Es gibt ihn nicht mehr. Nein, abgeschafft stimmt jetzt so natürlich wieder nicht ganz, man muss da schon ein wenig differenzieren. Er wurde umbenannt. Das heißt, an sich hat sich nichts geändert. Nur halt der Name. Aber das ist auch genug, wenn man sich den neuen Namen dieses Berufs anschaut: man ist jetzt nicht mehr Hausmeister, man ist Facility Manager. Bitte was?! Facility Manager? Ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich das Schild mit dieser Aufschrift an der Tür eines Mannes, der in einer öffentlichen Einrichtung eben jenes Amt bekleidete, sah. Aber es kommt noch besser. Da denkt man sich, schlimmer kann es mit der deutschen Sprache nicht mehr werden, aber schlimmer geht ja bekanntlich immer. Ich also neulich in einer Unterhaltung, wie denn die Ausbildung heißt, die mein Gegenüber gerade macht. Als er mir mit “Frontmanager im Face to Face Marketing” antwortete, war ich natürlich sehr interessiert. Das klingt ja schon mal nicht schlecht. Seine Antwort also auf die nächste Frage diesbezüglich: “Naja, man steht dann zum Beispiel bei McD an der Kasse.”       O.o

Das ist eindeutig zu viel des Guten. Warum bitteschön, muss man jetzt alles immer mit englischen Begriffen bezeichnen? Ich meine, fühlt sich der Hausmeister besser, wenn er weiß, dass er ab jetzt ein Manager – wenn auch nur von einer Facility – ist? Ist der arme Kerl, der in einem Fastfoodrestaurant an der Kasse steht , jetzt besser, nur weil er im Marketingbereich tätig ist? Bekommt er mehr Geld? Ich glaube kaum. Warum also das alles? Warum Bachelor, klingt Bakkalaureus nicht bescheuert genug?

Und ich dachte, dieses korrekte “Coolendeutsch”, was die ganzen Ghettogangstaz von sich geben, wäre schlimm. Wenigstens halten es die nicht für nötig, in einen deutschen Satz mindestens 50% englische Begriffe einzubauen. Vielleicht sind sie auch einfach nicht in der Lage dazu, aber das wäre jetzt eine böse Unterstellung…

Ich appelliere deshalb an euch alle da draußen, die ihr genauso denkt, wie ich, die ihr auch findet, dass pharmazeutische Wissenschaften ein Recht auf ein anerkanntes Studium haben:

Für mehr deutsch in der deutschen Sprache!

09
Okt
09

Phänomen Mensch

Ich mag Filme. Zwar mag ich nur die guten, aber das ist ja normal. Dafür bin ich regelrechter Fan von guten Filmen. Vor allem tiefgehende Filme, so etwas ist super. Filme, die einen dazu bringen, unbewusst über etwas nachzudenken. Requiem for a dream gehört dazu: die Geschichte von 4 Personen, die ein grausames und trauriges Schicksal ereilt. Filme, die zum Beispiel davon erzählen, wie man von seinen Freunden im Stich gelassen wird, wie einen die Menschen reinlegen. Filme, die den Mensch, zum Teil überzeichnet, in all seiner Grausamkeit und seinem Egoismus zeigen. Doch ist so ein Handeln wirklich unmenschlich? Es ist nicht auszuschließen, dass man von seinen Nächsten verraten wird, sobald diese sich einen Vorteil daraus versprechen. Vielen Menschen wäre es zuzutrauen, aber auch die, denen ein solches Verhalten eigentlich nicht zu Gesicht steht, könnten für eine böse Überraschung in dieser Hinsicht sorgen. Aber gerade dadurch, dass so viele Menschen theoretisch so handeln könnten, wird ein solches Handeln menschlich. Habt ihr mal Edward mit den Scherenhänden gesehen? Das meine ich. Ein anderer Film, der mir persönlich auch wahnsinnig gut gefällt, ist „das Experiment“. Ein Film, der mit einer psychischen Brutalität arbeitet, um die unmenschlichen Instinkthandlungen des Menschen zu zeigen. Dabei ist es besonders erschreckend, wenn man sich vor Augen hält, dass dieser Film auf einer wahren Begebenheit basiert. Als letztes in dieser Reihe nenne ich noch Dogville. Alle diese Filme sind sehr sehenswert. Alle diese Filme sind tiefgehend und emotional. Und alle diese Filme hatten noch etwas gemeinsam:

Nachdem ich sie gesehen hatte, schämte ich mich, Mensch zu sein.




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