14
Apr
10

Es gibt kein zurück

Sie wischte die Tropfen vom Glas und sah durch die Scheibe nach draußen. Die aufgehende Sonne tauchte die Berge  in ein malerisches rot. Der See vor ihr lag ruhig da, keine Welle störte den scheinbar perfekten Spiegel aus Wasser. Sanfter Nebel verschleierte die Sicht und verlieh ihr ein so seltsames und doch geborgenes Gefühl. Alles war still an diesem Morgen. Kein Wind zerstörte die Ruhe. Nur der Rabe, der unweit auf einem toten Baum saß und sie aus gelben, strengen Augen strafend anstarrte, störte das Bild. Sie war allein. Doch was sie sah beruhigte sie. Sie lehnte sich zurück und schloss ihre Augenlider.

Ihre Gedanken schweiften ab, getragen von der Ruhe, die sie in sich spürte,  erst sanft, dann immer unerbittlicher. Sie führten sie zurück in ihre Vergangenheit, immer weiter hinein. Als sie noch gelebt hatte, dort wo es Hoffnung gab.Als sie noch gelacht hatte, dort wo es Freude gab. Als sie noch geliebt hatte, dort wo es Menschlichkeit gab. Es hätte nicht passieren dürfen, so viel hätte nicht passieren dürfen. “Es gibt kein zurück”, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf. Nein, es gab kein zurück, sie konnte nicht umkehren.  Und vor allem durfte sie es nicht tun. Alles was blieb, war die Zukunft. Wie dieser Morgen einsam und vernebelt und doch mit einem schwachen, roten Hoffnungsschimmer am Horizont. Sie öffnete die Augen und schaute hinaus in den Nebel. Der Rabe war verschwunden.

Sie startete den Motor und fuhr los, den Blick auf die Berge gerichtet, den roten Schimmer der aufgehenden Sonne am Horizont.


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