Tja, da fährt der liebe Valle mal wieder aus Spaß einen ganzen Tag mit der Bahn quer durch Deutschland – dieses mal sogar luxuriös im ICE – und wird prompt daran erinnert, warum er Zugfahren so hasst. Gut, ich bin nicht aus Spaß quer durchs Land gekurvt, es hatte einen Grund, und dass ich Zugfahren nicht mag liegt hauptsächlich daran, dass ich es schrecklich unbequem und langweilig finde. Aber darum geht es jetzt nicht. Ich meine, wenn mir die DB-homepage sagt, dass ich von Berlin nach München am Besten über Göttingen (wo direkt neben dem Bahnhof übrigens eine wunderschöne und große Öttingerbrauerei steht, die man vom Zug aus begutachten konnte), Hannover und Fulda fährt, dann, naiv wie ich bin, glaube ich der Seite einfach mal. Dauert ja auch nur 6 Stunden. Auf dem Papier. Naja, in diesem Fall eher auf dem Bildschirm.
Aber wie sollte es auch anders sein, Murphy is my friend und Bahnfahren macht einfach keinen Spaß. Und so kam es dann, dass die Fahrt dann etwas anders verlief, als geplant. Aber fangen wir vorne an. Etwas müde stieg ich gegen 11:30 in den ICE 599 in Richtung Stuttgart, um in Fulda, so das Vorhaben, in den ICE 789 umzusteigen und gemütlich gen Heimat zu zuckeln. Ich hatte sogar einen Platz. Am Fenster. Grandios. Und mehr oder minder zufrieden mit mir und der Welt (ach, das klingt ja jetzt furchtbar theatralisch) lehnte ich meinen Kopf zurück und döste bei beruhigender Musik der Band Demons and Wizards (sehr gut im Übrigen, aber darum geht es jetzt nicht, wie schon mal geschrieben mache ich keine Schleichwerbung) ein. Und so bekam ich auch die Durchsage nicht mit, die kurz darauf in schwer zu identifizierendem Dialekt von der Zugführerin durch das Abteil gesäuselt wurde. Ich wachte kurz vor öttingen auf und bemerkte nur, dass unser Zug 10 Minuten verspätung hatte. Naja, es geht bei der Bahn wohl nie pünktlich, dachte ich mir. Aber dann kam der Hammer. Hildesheim konnte nicht angefahren werden, der Zug wurde umgeleitet und würde danach schließlich 25 Minuten Verspätung haben. Und auf Wiedersehen, geliebter Anschlusszug 789 in Fulda. Der wäre dann unwiderruflich verpasst. Und darum war ich natürlich auch auf den Grund für diesen Umstand, der der Zugführerin, wie sie mehrfach ebtonte, übrigens sehr leid tat, gespannt und lauschte um so gespannter der nächsten Durchsage – und bin fast vom Stuhl gefallen, als mir und den anderen unschuldigen Reisenden erzählt wurde, dass in der Nähe von Hildesheim Kupferkabel gestohlen wurden und die Strecke deshalb nicht befahrbar sei. Kupferkabel? Gestohlen? Ich meine, ich habe ja gehört, dass Kupfer, der ja relativ wertvoll ist, gerne mal gestohlen wird und vor allem in östlicheren Regionen Europas (ohne jetzt Klichees füttern zu wollen, darum geht es ja gar nicht) Kupferkabel nicht besonders sicher sind. Aber bei Hildesheim? Ausgerechnet, wenn ich da lang fahren will? Ich war in diesem Moment stinksauer auf Murphy. Ich meine, können sich die Leute nicht einen anderen Zeitpunkt aussuchen, um ihre kleptomanischen Veranlagungen zu beruhigen? Keinen anderen Ort?
Doch aufregen hilft ja bekanntlich nichts und ist auch schlecht für die Nerven. Also wieder zurück gelehnt, als dann kurz vor Kassel von einem Personenunfall berichtet wurde, der den Zug wohl um wietere 20 Minuten verspäten würde. Wunderbar. Wenn, dann richtig.
Doch letztendlich sollte ich trotzdem, wenn auch mit einer Stunde Verspätung, in München ankommen, wo mich auch gleich frühlingshafte Temperaturen erwarteten. Trautes Heim. Ruhig war der Abend dennoch nicht…